17.10.2026
Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz (NKS) hat seine dritte Zwischenbilanz zur Umsetzung der Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses an die Schweiz veröffentlicht. Im Zentrum steht diesmal die Kinderarmut. Ergänzend beurteilt der Bericht die strukturellen Rahmenbedingungen für die Kinderrechte. Der Fachverband SPF Schweiz ist eines der über 60 Mitglieder des Netzwerks.
Die Zahlen sind deutlich. 114'000 Kinder leben in der Schweiz in Armut, 315'000 und damit rund jedes fünfte Kind gelten als armutsgefährdet. Am stärksten betroffen sind Einelternhaushalte mit einem Armutsgefährdungsrisiko von 32,2 %. Ebenfalls stark betroffen sind Familien mit drei und mehr Kindern sowie Familien mit Migrationsgeschichte. Vielen Fachpersonen der SPF dürfte dieses Bild vertraut sein, denn es sind häufig genau diese Familien, die sie begleiten.
Was der Bericht für die SPF-Praxis bedeutet
Der Bericht zeigt, wie Armut Entwicklung, Gesundheit und Teilhabe von Kindern beeinträchtigt und weitere Belastungen verstärkt. In der Familienbegleitung zeigt sich das selten als “Armutsthema”. Es zeigt sich in Erschöpfung, Konflikten, beengtem Wohnraum oder fehlenden Freizeitmöglichkeiten der Kinder. SPF kann stabilisieren und stärken. Strukturelle Armut auffangen kann sie nicht.
Auch der Zugang zu Leistungen ist ein Thema. Kantonale Untersuchungen gehen davon aus, dass für jedes dritte berechtigte Kind keine Sozialhilfe bezogen wird, oft aus Sorge um den Aufenthaltsstatus. Die revidierten SKOS-Richtlinien sehen neu 50 Franken mehr pro Kind und Monat sowie mindestens 600 Franken jährlich für Freizeitaktivitäten vor. Sie sind jedoch unverbindlich, und Familien in der Asylfürsorge sind davon ausgenommen. Familien-Ergänzungsleistungen kennen erst fünf Kantone. Für die Praxis heisst das: Zur fachlichen Begleitung gehören die Kenntnis der lokalen Leistungen und eine sorgfältige Triage, gerade wenn aufenthaltsrechtliche Fragen mitspielen.
Schliesslich hält der Bericht fest, dass zum freiwilligen Kindesschutz ausserhalb der KESB praktisch keine Daten vorliegen. Zudem endet mehr als die Hälfte der KESB-Meldungen ohne formelle Massnahme. Ein grosser Teil der präventiven Arbeit, die in der SPF geleistet wird, bleibt damit statistisch unsichtbar.
Was nicht erfasst wird, lässt sich politisch kaum begründen und fachlich nur schwer weiterentwickeln.
Strukturen für die Kinderrechte
Im zweiten Teil zieht das NKS eine ernüchternde Bilanz. Eine eigenständige Kinderrechtsstrategie fehlt weiterhin, ebenso ein systematisches Verfahren, um Gesetze auf ihre Folgen für Kinder zu prüfen. Die Motion für eine bessere Datenlage hat der Ständerat abgelehnt; das Anliegen wird mit dem Postulat 26.3880 weiterverfolgt. Bei der Ombudsstelle für Kinderrechte hält der Bundesrat an einer Lösung ohne individuelle Beratung fest. Für Kinder heisst das: Sie haben weiterhin keine unabhängige Stelle, bei der sie sich beschweren können. Das betrifft auch Kinder in begleiteten Familien.
Der Fachverband SPF Schweiz unterstützt die Arbeit des Netzwerks als Mitglied. Er versteht die Zwischenbilanz als Anlass, die Perspektive der SPF im Rahmen seiner Möglichkeiten in den fachlichen Austausch einzubringen. Diese Perspektive ist nah an den Lebenswelten von Familien.
Den vollständigen Bericht sowie eine Übersicht gibt es hier: www.zwischenbilanz.netzwerk-kinderrechte.ch